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unbekannt - wann merkt ein mann Gedicht


Gedichttext: wann merkt ein mann

Autor: unbekannt

Aus der Kategorie: Sonstiges

hinzugefügt von: Unbekannter Autor

Eingestellt am: 12.08.2008


Wann merkt ein mann



Wann merkt ein mann, dass er auf einem stillgelegtem bahnhof sitzt und vergeblich seinen zug erwartet? Es gibt auf dem land etliche bahnhöfe, die ohne personal, ohne aufsicht sind, wo kartenschalter mit pappe verschlossen, die rollläden vor dem kiosk heruntergelassen, keine zeitungen, keine fahrkarten zu kaufen sind, und dennoch ein-oder zwei mal am tag ein zug, der dörfer mit der kreisstadt verbindet.
Nun hängen aber in der bahnhofshalle auch keine fahrpläne mehr hinter der glasscheibe im kasten. Die scheibe ist vielmehr herausgebrochen und auf dem hölzernem grund kleben ein paar sticker, reklame einer brauerei. Auch die großen plakate mit landschaftsaufnahmen, werbung des fremdenverkehrs, sind zur hälfte abgerissen oder mit schwarzen politischen malen übersprüht. Kein anzeichen findet sich, dass diese station noch in betrieb wäre. Und doch hat sich der müde wanderer auf der bank niedergelassen, nachdem er alten abfall beiseite gekehrt und den rucksack abgestreift hat. Er wartet entgegen aller wahrscheinlichkeit auf ankunft und halt seines zuges. Innerhalb der ersten stunde brausen ein güterzug und ein schnellzug draußen vorbei, ohne dass eine durchsage sie vorher angekündigt hätte. Das verwundert den mann aber nicht und lässt ihm am sinn seines wartens nicht zweifeln. Er hat den bahnhof erreicht nach vielen stunden des einsamen fussweges- und dieses gebäude, freistehend an doppelten gleisen, ohne zugehörige ortschaft, bietet ihm gewähr genug, dass er sich am rechten ort befinde, von wo er auf bequeme weise nach hause gelangen wird. Auch wird er einer logik folgen, und einen sicheren trugschluss sehen: wenn kein zug hielte, gäbe es den bahnhof nicht mehr, er wäre zumindest verschlossen, um keine falschen versprechungen für müde wanderer darzustellen.
Also bleibt er sitzten und hört über stunden einige züge vorbeifahren, ohne in der überzeugung nachzulassen, dass sein zug noch kommen und anhalten werde.denn es ist schwer, vielleicht unmöglich, in einem wartesaal einzukehren, um seine erschöpften beine auszuruhen und gegen raumsinn zu empfinden, dass hier kein warten mehr belohnt wird. Er hat sich auf der harten bank ausgestreckt und seinen rucksack unter die schläfe geschoben. Er schlummert im großen und ganzen des bahnhofes ein. Seine tiefe geduld, das allein herschende gefühl für seine bevorstehende heimfahrt hat seine stimmung erfolgreich von jedem deteil abgelenkt, das ihm lästig, seiner stimmung abträglich werden könnte.



Botho Strauß 1994

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